Reichsstadt-Nostalgie

Kurz vor Ende der Freien Reichsstadt gewährte der Niederländer Prins noch einmal einen Blick auf das alte Köln. Im Schatten von St. Maria im Kapitol trifft sich auf seinem Bild die Gesellschaft des Ancien régime mit Landvolk, Klerikern, Dienstmägden, Bürgern und Soldaten.

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Johannes Huibert Prins: St. Maria im Kapitol, 1793. Foto: rba_d033431

Mit diesem Bild gewährt der Künstler 1793 einen der letzten Blicke auf das reichsstädtische Köln, bevor der Einmarsch der Franzosen im Oktober 1794 dieser »Idylle« ein Ende setzte.

Johannes Huibert Prins (1757–1806) hatte auf Wunsch seines Vaters die Universität zu Leiden besucht und dort 1781 einen Magistergrad erworben, um sich dann jedoch ganz der Kunst zu widmen. Der Maler und Zeichner war bekannt für seine detailreichen Straßenszenen und Interieurs, seine Inspiration fand er in den holländischen Werken des 17. Jahrhunderts, bei Jan van der Heyden und Gerrit Berckheyde – wie auch unser Bild zeigt. Von Letzterem übernahm er die Technik des Capriccio, indem er verschiedene Gebäude in neuen Varianten kombinierte.

In Nachfolge Berckheydes zeigt Prins buntes Treiben im Schatten einer romanischen Kirche, die leicht als St. Maria im Kapitol in Köln auszumachen ist, kann man doch links die Hardenrathkapelle erkennen. Rechts hinten erscheint der Turm von Klein St. Martin, der seit 1637 der benachbarten Marienkirche als Glockenturm diente.

Es scheint, als habe der Maler einzelne Figuren wie die einen Korb auf dem Kopf tragende Frau und die Gruppe mit dem Vieh von einem der über 100 Jahre früher entstandenen Gemälde entnommen. Zahlreiche Menschen halten sich im sauber gepflasterten Immunitätsbezirk des hochedlen Damenstiftes auf und gehen ihren weltlichen Geschäften nach. Man erkennt lagerndes Landvolk und Bauern mit Vieh für den Markt, disputierende Kleriker, Dienstmägde, Mütter mit Kindern und ernste Bürger. Im Hintergrund schäkert ein Soldat mit einer Frau. Allerdings – all dies soll sich im Immunitätsbezirk des vornehmsten Kölner Damenstiftes abgespielt haben? Und der Lichhof, also der Leichen- bzw. Friedhof, soll zudem auf das sauberste gepflastert gewesen sein, wo ansonsten Köln doch eher als ausgesprochen unsauber galt? Man darf sicherlich davon ausgehen, dass Prins im heimischen Leiden oder Utrecht die von seinen Reisen mitgebrachten Skizzen auswertete, neu kombinierte und mit figürlicher Staffage versah. Möglicherweise war ihm als niederländischem Protestanten gar nicht bewusst, was ein hochedles katholisches Damenstift war (wenn er sich überhaupt noch daran erinnerte).

Die Gründerin der Kirche, die in ihrem Namen den Hinweis auf den römischen Vorgängerbau trägt, war wohl Plektrudis, die Gattin des merowingischen Hausmeiers Pippin des Mittleren. Im 10. Jahrhundert siedelten sich hier Benediktinerinnen an, aber im 12./13. Jahrhundert begann eine allmähliche Umwandlung in ein Damenstift. Die Stiftsdamen waren allesamt adeliger Herkunft. Dem Stift standen 34 Pfründe für Kanonissinnen zur Verfügung, auch 13 Kanoniker fanden ihr Auskommen. Stiftsdamen und Kanoniker bildeten das Stiftskapitel – damit war St. Maria im Kapitol eines der größten Damenstifte im deutschen Sprachraum. Die Stiftsdamen waren dem angenehmen Leben nicht abgeneigt und vergnügten sich gern bei Festlichkeiten, etwa im Gürzenich. Aber da war dann auch ein Kaiser anwesend. Ganz bestimmt aber vergnügten sich die Damen nicht mit dem Landvolk im Schatten ihrer Kirche. Rund um die Kirche befanden sich im abgeschlossenen Immunitätsbezirk die Wohnhäuser der Stiftsdamen, Kanoniker und Vikare sowie des ihnen dienstbaren Personals.

Das Gemälde wurde 1952 für 4.800 DM erworben bei der Galerie Theo Hill in Köln, die später auf zeitgenössische Graphik spezialisiert war.

 

Johannes Huibert Prins: St. Maria im Kapitol, 1793, bez. u. dat. rechts unten: J H Prins pingebat vir Ad 1793, Öl auf Leinwand, H: 97 cm, B: 113 cm, Inv.-Nr. HM 1952/68. Ankauf von Theo Hill, Köln, für 4.800 DM. Foto: rba_d033431


Autor: Rita Wagner M. A.

 

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