Vertreibung aus dem Paradies ...

Vertreibung aus dem Paradies … aber nicht aus Köln. Während auf dem oberen Feld der Ofenplatte aus Gusseisen die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies gezeigt wird, halten im unteren Drittel der Platte zwei stolze Greife ein Wappen der Stadt Köln. Diese gusseiserne Reliefplatte war als Teil eines Kastenofens kein Einzelstück, sondern war im Verbund mit passenden biblischen Themen angebracht.

<strong>Ofenplatte »Vertreibung aus dem Paradies«</strong>, Mitte des 16. Jahrhunderts.<br />Foto: rba_d033538
Ofenplatte »Vertreibung aus dem Paradies«, Mitte des 16. Jahrhunderts.
Foto: rba_d033538

Vertreibung aus dem Paradies ... aber nicht aus Köln! Dies könnte aus Sicht des Betrachters in unserem Jubiläumsjahr 2013 die Botschaft dieser Ofenplatte aus Gusseisen sein. Sie gehört zu einem feinen, als Ganzes noch ungehobenem Bestand von etwa 80 künstlerisch gestalteten Ofen-, Kamin- und Takenplatten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert im Kölnischen Stadtmuseum. Bedeutende Produktionsstätten waren in der Frühen Neuzeit Westfalen, das Siegerland, die Lahngegend und linksrheinisch Eifel und Hunsrück. Viele der Platten aus dem Bestand des Museums stammen aus der Eifel, wo es zahlreiche eisenerzreiche Waldgebiete für die Verhüttung sowie reiche Baumbestände und Wasservorkommen gab. Vom Ende des 15. bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden in der Eifel Herdplatten aus Eisen hergestellt. Seit dem 15. Jahrhundert gab es Hochöfen, die bis auf 1500 Grad Celsius heizen konnten. Seitdem kann Eisen als Gusseisen hergestellt werden.

Wir nehmen an, dass unsere Eisenplatte eine Ofen- und keine Kaminplatte war. Sie gehörte also nicht als Kaminrückwand vor das offene Feuer, sondern war Teil eines Kastenofens mit mehreren aneinandergereihten Ofenplatten mit biblischen Themen. Dafür spricht auch, dass sie ein unmittelbares Pendant hat, das sich ebenfalls im Besitz eines Museums befindet. Während diese Ofenplatte die »Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies« zeigt, stellt das Gegenstück »Adam und Eva im Paradies« dar, jedoch ohne den sonst üblichen Sündenfall. Beide Ofenplatten sind im oberen Bildfeld durch eine schlanke balusterartige Säule längs geteilt, während im querrechteckigen Feld unten auf beiden Platten zwei Greife ein Medaillon abstützen, das auf dem Kölner Exemplar das Wappen der Stadt Köln, auf dem anderen einen römischen Porträtkopf im Profil mit Helm zeigt. Beide Bildfelder sind jeweils von einem profilierten Rahmen umfasst.

Die klaren Renaissanceformen der Balustersäulen mit abschließender Trophäenornamentik und der Tondi in profiliertem Rahmen im unteren Bildfeld weisen eindeutig in die Zeit der Renaissance ab 1520. Die freie – jedoch offensichtliche – Verwendung eines Holzschnittes von Heinrich Aldegrever mit dem Thema »Die Vertreibung aus dem Paradies« (Münster, Westfälisches Landesmuseum) lässt auf eine zeitliche Einordnung nach 1540 schließen. Zu dieser Zeit, also nach 1550, entstanden in Köln einige profane Renaissancebauten oder Architekturteile von Rang, wie die Alter-Markt-Fassade des Rathauses, der Löwenhof als Innenhof oder die Vorhalle des Rathauses, außerdem öffentliche Bauten wie das Zeughaus, Zunfthäuser und private Bauten. Die eisernen Öfen verdrängten in dieser Zeit zunehmend die aufwändigen Kachelöfen. Sie waren aber auch beliebter Handelsgegenstand. Ob die Ofenplatte zusammen mit ihrem Pendant in Köln für einen öffentlichen Profanbau oder einen Privatbau bestimmt war oder aber weiter verhandelt wurde, lässt sich nicht mehr ermitteln. Das Kölner Wappen legt aber eine Nutzung in Köln nahe.

Die an der unteren linken Ecke beschädigte Ofenplatte wurde 1959 zusammen mit vier weiteren – nicht zu dieser gehörenden – von Erwin Wurmbach aus Köln-Klettenberg, vermutlich einem Verwandten der langjährigen Museumskustodin Dr. Edith Meyer-Wurmbach, für den Bestand des Historischen Museums angekauft.

 

Ofenplatte »Vertreibung aus dem Paradies«, Eifel, Mitte des 16. Jahrhunderts. Gusseisen, H: 48 cm, B: 68 cm, Inv.-Nr. KSM 1959/13. Ankauf von Erwin Wurmbach, Köln, für 50 DM. Foto: rba_d033538


Autor: Dr. Bettina Mosler

 

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