Re-Design für den Kaiser

<strong>(Werkstatt des) Johann Jakob Hüls: Huldigungsbecher für Kaiser Karl IV., </strong>Mitte des 17. Jahrhunderts und 1717. <br />Foto: rba_d033512
(Werkstatt des) Johann Jakob Hüls: Huldigungsbecher für Kaiser Karl IV., Mitte des 17. Jahrhunderts und 1717.
Foto: rba_d033512

Eigentlich hätte Franz Joseph Wenzel Balthasar Johann Anton Ignaz von Habsburg nicht Kaiser Karl VI. werden sollen, da er der zweite Sohn Kaiser Leopolds I. war. Doch sein Bruder Kaiser Joseph I. erlag 1711 einer Pockenerkrankung. Karl, der 1703 zum spanischen König proklamiert wurde und von Barcelona aus gegen seinen Kontrahenten Philipp IV. um den spanischen Thron kämpfte, kehrte nach Wien zurück, um die Kaiserwürde zu übernehmen.

Als Freie Reichsstadt unterstand Köln direkt dem Kaiser und hatte ihm nach einer Krönung den Treueschwur zu leisten. Im Gegenzug verhieß der Kaiser Schutz und Wahrung der Rechte. Oftmals wurde dem Kaiser als Zeichen der Treue ein wertvolles Geschenk überreicht, das durch Form und Verzierung nochmals symbolisch auf die Verbindung von Lehnsherrn und Lehnsnehmer hinwies.

Bei dem vorliegenden Huldigungsbecher handelt es sich um ein solches symbolisches Geschenk, das allerdings einige Besonderheiten aufweist. Zunächst wurde es erst am 16./17. November 1717, also sechs Jahre nach der Krönung Karls VI., überreicht. Der Becher wurde nicht von Karl persönlich entgegengenommen, sondern von Graf Franz Georg von Manderscheid-Blankenheim, der den Kaiser vertrat. Der Graf hatte allerdings nicht nur weltliche, sondern auch geistliche Ämter: Neben seinen Funktionen als kaiserlicher Rat und kurpfälzischer Obersthofmeister war er auch dem Kölner Erzbischof als Erster Minister im Erzstift und Erbhofmeister treu ergeben. Die Huldigung fand in Form eines öffentlichen Eides der Bürgermeister, des Rates und der Bürgerschaft am 15. November 1717 statt.

Der Becher selbst ist schlicht gehalten. Nach neueren Forschungen wurde er nicht 1717 für den Anlass der Huldigung von Johann Jakob Hüls entworfen, sondern schon etwa Mitte des 17. Jahrhunderts gefertigt. Goldschmiedemeister Johann Jakob Hüls (1680/85–1759), dem der Becher lange zugeschrieben wurde, hat den Becher wahrscheinlich nur umgearbeitet – womöglich war es auch einer seiner Schüler. Seit 1717 war Hüls nämlich auch Ratsherr und hatte daher wohl anderes zu tun, als lapidare Änderungen an einem Becher vorzunehmen. Dass ihm der künstlerische Entwurf zugesprochen werden muss, steht indes außer Frage.

Der untere Fries aus Laub und Vögeln wurde samt neuer Meister- und Stadtzeichen ergänzt, und der Becher erhielt einen neuen Boden mit eingelassener Huldigungsmedaille. Auf der Medaillenvorderseite ist der Kaiser zu Pferd, auf der Rückseite der Doppeladler über Köln zu sehen. Die Veduten auf der oberen Hälfte zeigen die Städte Köln, Frankfurt, Augsburg, Regensburg und Mainz und die Heiligen Petrus, Margaretha, Michael, Sybilla und Joseph.

Ein anderer Becher, der von Johanns jüngerem Bruder Gerardus zwischen 1715 und 1724 hergestellt wurde, wäre dem Anlass der Kaiserkrönung durchaus angemessener gewesen. Der außerordentlich hohe (70 cm) und mit Figuren reich geschmückte Becher scheint aber für diesen Zweck nicht benutzt worden zu sein.

Fazit: Anstelle des Kaisers huldigten die Kölner einem (durchaus einflussreichen) Eifeler Landgrafen, und statt eines ordentlichen Geschenks übergaben sie einen 70 Jahre alten, redesignten Durchschnittsbecher – sechs Jahre zu spät. Einen weitaus prunkvolleren Becher behielten sie erst mal selbst.

Doch auch der Kaiser schien anderes im Sinn zu haben, als den Kölnern seine Aufwartung zu machen. Nach der Krönung in Frankfurt am Main zog er es vor, nach Wien zurückzukehren, um von dort aus den Spanischen Erbfolgekrieg weiterzuführen, den er aber schon 1713 verlor. Köln hatte im frühen 18. Jahrhundert schon viel von seiner früheren Bedeutung als wirtschaftliches und politisches Zentrum eingebüßt und sollte sich davon auch so schnell nicht erholen.

Der Becher kam 1992 für die stolze Summe von 190.000 DM in die Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums und gehört damit zu den teuersten Ankäufen, die je getätigt wurden. Die Finanzierung übernahmen die Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln mit 160.000 DM und die Sparkassenstiftung zur Förderung des rheinischen Kulturgutes mit 30.000 DM.

 

(Werkstatt des) Johann Jakob Hüls: Huldigungsbecher für Kaiser Karl IV., Mitte des 17. Jahrhunderts und 1717, Silber, teilweise vergoldet, H: 21,5 cm. Inv.-Nr. KSM 1992/219 a+b. Ankauf vom Antiquitätenhändler Hans G. Klein, Köln, für 190.000  M (inkl. Deckelnachbildung)
Foto: rba_d033512


Autor: Sascha Pries M. A.

 

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