Paul von Hindenburg und Romy Schneider

Als die Kölner Afri-Cola in Deutschland noch den gleichen Marktanteil wie Coca-Cola hatte, das war 1945, sah die Flasche noch ganz anders aus. Heute kennen wir den Flaschen-Designklassiker von 1959. Die erste Flasche wurde vom Kölner Werbegrafiker Rafael Becker 1931 designt. Mit Afri-Cola wurde eine Marke geschaffen, die heute noch besteht – auch wenn sie nicht mehr in Köln produziert wird.

<strong>Afri-Cola-Flasche</strong>, um 1950. <br />Foto: rba_d028748
Afri-Cola-Flasche, um 1950.
Foto: rba_d028748

Die meisten Menschen kennen die Afri-Cola aufgrund des ungewöhnlichen Designs der Flasche. Der Designer Jupp Ernst erschuf sie 1959 im Zeichen des wieder erstarkten Werkbundgedankens: Auch Gebrauchsartikel sollten ästhetisch sein. Die neue Flasche passte ins Konzept, denn die Sexymini-super-flower-pop-op-cola sollte in ihrer hippen Flasche ein neues Lebensgefühl vermitteln: Die Einbuchtungen an den Seiten sorgen für optimalen Halt und erotische Assoziationen. Das Design besticht auch heute, nach über 50 Jahren, noch mit seinen klaren Linien und dem (übrigens auch wieder bei Apple zu findenden) Zusammenspiel von Rundungen und scharfen Kanten.

Doch es gab schon seit der Markeneinführung 1931 eine eigens für Afri-Cola hergestellte Flasche. Der Designer: Rafael Becker (1895–1979), Werbegrafiker aus Köln. Seine Flasche wurde zwar kein Design- klassiker – dafür ist sie zu wenig aufwendig gestaltet –, aber sie ist ein Beweis dafür, dass auch deutsche Hersteller von Alltagsprodukten im 20. Jahrhundert damit begannen, Markenidentitäten zu kreieren. So prangt auf der Flasche als Relief auch das Afri-Logo, damals noch in Schreibschrift und mit gebogener Palme.

Rafael Becker, gelernter Kunstmaler, arbeitete Anfang der 1930er Jahre für die Firma F. Blumhoffer Nachfolger, deren Geschäftsführer Karl Flach die Marke Afri-Cola 1931 hatte eintragen lassen. Der Tausendsassa entwarf auch Logos, Messestände, sonstige Werbemittel und eine Idee für einen Afri-Cola-Rosenmontagszugwagen und malte Karl Flachs erste Frau und ihre Zwillinge.

Die Firmenlegende will es, dass Markengründer Flach nach einem Aufenthalt in Amerika die Idee einer deutschen Cola entwickelte. Und selbst die Flasche kann als Gegenentwurf zur Coca-Cola gesehen werden. Urtümlich, bodenständig und etwas derb stellte sie sich der schlanken, dynamischen Konkurrenz aus den USA entgegen. In den 1930er Jahren ging dieses Konzept auf: Zwar war die deutsche Gesellschaft in den 1930er Jahren nicht unbedingt für ihre Xenophilie bekannt, aber die Cola mit dem exotisch klingenden Namen erfreute sich dennoch großer Beliebtheit. Statt der herrschenden gesellschaftlichen Gleichschaltung, Krieg, Zerstörung und Elend brachte die Afri-Cola etwas Abenteuer in biedere deutsche Wohnstuben. 1945 hatte die Afri in Deutschland den gleichen Marktanteil wie Coca-Cola. In den 1950ern war auch Afri-Cola im Wirtschaftswunderrausch.

Doch nicht alles lief glatt: In einem Schreiben an Karl Flach vom 17. Oktober 1970 erinnerte Rafael Becker an die Umstände der Markeneinführung: »Vielleicht erinnern sie sich auch, dass ich der Urheber des Namens ›Afri COLA‹ war, zu der Zeit da Coca Cola hier Fuß faßte.« Etwas gekränkt zitiert er auch ein Dankesschreiben von Flach von 1947, in dem es heißt: »Wir hoffen, daß eine spätere Zeit uns noch oft die Gelegenheit gibt, Ihnen eine Anerkennung für Ihre Leistungen in diesen schweren Jahren zu zeigen.« Offenbar war es dazu nicht gekommen.

Am Niedergang der Afri konnten aber weder Jupp Ernsts neue Flasche noch Charles Wilps Nonnen-Werbung von 1968 etwas ändern. Heute ist die Afri zwar zurück, aber sie findet sich eher in Szenebars als im Supermarktregal: Afri in der Nische.

Die Afri-Cola-Flasche kam 2003 in den Bestand des Museums und war ein Geschenk der Afri-Cola GmbH, Köln. 1999 hatte der Sohn des Markengründers, Alexander Flach, die Markenrechte an die MinAG in Bad Überkingen verkauft. Wo schon die Marke nicht mehr in Köln ansässig war, sollte sie nun immerhin im Kölnischen Stadtmuseum eine letzte Zuflucht finden.

Eine moderne Afri-Cola-Flasche gibt es im Stadtmuseum übrigens auch. Und wenn nun bei der taillierten Flasche von Jupp Ernst weibliche Idealrundungen – etwa die von Stars wie Romy Schneider – als formgebende Vorlage gedient haben, wie verhielt es sich dann wohl bei der untersetzten Afri-Cola Flasche von Rafael Becker? Entweder hatte er (getreu der Idee einer »deutschen« Cola) ein männliches Idealbild im Sinn – vielleicht den Reichspräsidenten Hindenburg? Oder sein Design wirft ein eher unrühmliches Licht auf die Silhouetten der Kölner Frauen in den 1930er Jahren.

 

Afri-Cola-Flasche, um 1950, Glas; H: 20,3 cm, Dm: 6 cm. Inv.-Nr. KSM 2003/76. Schenkung der Afri-Cola GmbH, Köln. Foto: rba_d028748 


Autor: Sascha Pries M.A.

 

Newsletter


Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dem Erhalt des Newsletters zu.


Kölnisches Stadtmuseum

Zeughausstraße 1–3
50667 Köln
Kasse: 0221/221-22398
Nur montags: 0221/221-25789
Fax: 0221/221-24154
E-Mail: ksm@museenkoeln.de

 

Öffnungszeiten

Dienstag: 10–20 Uhr
An Feiertagen bis 17 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10–17 Uhr
KölnTag (1. Donnerstag im Monat): 10–22 Uhr
montags geschlossen

 

Eintrittspreise

Ständige Sammlung
€ 5,00, ermäßigt € 3,00

Sonderausstellungen
€ 5,00, ermäßigt € 3,00

Kombikarte 
€ 7,50, ermäßigt € 5,00