Mieh Hätz wie Holz

Der »Wilde Ritter« ist Teil eines 25-Figuren-Ensembles des berühmten Kölner Hänneschen-Theaters aus den 1930er-Jahren. Das Stockpuppenspiel hat im Rheinland eine lange Tradition.

<strong>Hänneschen-Theater-Puppe: Wilder Ritter, </strong>um 1930. Foto: rba_d033544_02
Hänneschen-Theater-Puppe: Wilder Ritter, um 1930. Foto: rba_d033544_02

Mit dem Titel »Mieh Hätz wie Holz« wurde 2002 in der Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln die Jubiläumsausstellung zu »200 Jahre Kölsch Hännesche« eröffnet. Johann Christoph Winters (1772 –1862) hatte das Hänneschen-Theater 1802 in Köln gegründet: »Zwischen Aufklärung und Romantik, französischer Revolution und Restauration, sozialer Realität und Phantasie entstand vor dem Hintergrund gewaltiger politischer und sozialer Umwälzungen und am Beginn der Industrialisierung eine neue Form des Volkstheaters.«

Die Kulisse ist nicht die Stadt Köln, »sondern vielmehr deren parodistische Übertragung ›Knollendorf‹ mit seiner ganzen Sippschaft von Hänneschen und Bärbelchen über Marizebell und Besteva bis hin zu Tünnes, Schäl, Speimanes, Mählwurms Pitter, Röschen und Köbeschen (...)«.

Bereits im 19. Jahrhundert wurde das für die Rhein- und Niederlande kulturtypische Stockpuppenspiel in Familientradition gepflegt. Neben der Familie von Johann Christoph Winters waren das unter anderem zunächst die Millowitschs (Millewitsch, so die damalige Schreibweise, d. Verf.). Seit 1926 ist das Hänneschen-Theater in stadtkölnischem Besitz und firmiert als »Puppenspiele der Stadt Köln«, ganz nach dem Motto: »Wat morjens passeet, kütt ovends op et Tapet.«

Als 1967 25 Figuren des Hänneschen-Theaters an das Kölnische Stadtmuseum kamen, war dies wahrscheinlich ein kompletter Ausstattungssatz eines Theaterstückes. Mit dabei waren auch die bemalten Kulissen sowie größere und kleinere Tiere. Als Herkunftsnachweis wurde im Inventarbuch des Museums »F. Brück, Köln« eingetragen. Diese Person lässt sich heute nicht mehr identifizieren.

Geschenkt wurden die aufwendig bekleideten hölzernen Puppen dem Museum vom damaligen »Förderkreis Schull- un Veedelszöch«. Dieser Förderkreis konstituierte sich am 2. Mai 1961; er war hervorgegangen aus dem »Bürgerausschuß Kölner Karneval«. Am 20. November 1975 wurde er Geschichte und ging über in die Neugründung des »Vereins der Freunde und Förderer Kölnischen Volkstums e. V.« (heute: Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e. V.).

Die Puppengröße zwischen 47 und 70 Zentimetern entspricht der Norm für das Theater am Eisenmarkt. Heute erreicht der Schäl »hinger d‘r Britz« auch 70 Zentimeter.

Die Kostüme der Puppen sprechen für ein mittelalterliches Ritterspektakel oder Märchen. Diese hatten im Theater eine gewisse Tradition. Schon im 19. Jahrhundert wurden solche Stücke aufgeführt, und man ahmte »große Königsdramen und Ritterspiele im Kleinen« nach. Auch in den 1920er Jahren gab es diese Aufführungen, die vor allem Nichtkölner, z. B. Touristen, ansprechen sollten.

Ein Aspekt aber muss in die Überlegungen von Zeit und Ort der Puppen einbezogen werden: Das Hänneschen-Theater war ab 1925 mit einer zusätzlichen festen Hänneschen-Gastspieltruppe unter der Leitung von Josef Niessen unterwegs. Dieses Ensemble bereiste das ganze Rheinland, »zudem alle Länder um den Rhein von der holländischen bis zur Schweizer Grenze, Westfalen, Hessen, die Rheinpfalz«. Hamburg und Berlin folgten in dieser Zeit ebenfalls.

Zum ersten Mal wurden unsere Puppen als Ensemble wieder 1973 in der Ausstellung »Masken und Narren. Tradition der Fastnacht« im Kölnischen Stadtmuseum gezeigt (9.11.1972–6.3.1973). Unter der Überschrift »Das Fastnachtstheater« finden wir »Typen der Kölner Stockpuppenbühne«. Hier gibt es im Katalog erstmals einen konkreten Datierungshinweis mit »um 1930«.

 

Hänneschen-Theater-Puppe: Wilder Ritter, Köln (Fr. Brück?), um 1930, Holz, Textil, H: 63 cm, Inv.-Nr. KSM 1967/549,5. Foto: rba_d033544_02


Autor: Dr. Michael Euler-Schmidt

 

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