Mädels, lasst die Puppen tanzen!

<strong>Puppenküche der Familie Foveaux aus dem Haus »Zum großen Kardinal«, </strong>um 1780. Foto: rba_d033564
Puppenküche der Familie Foveaux aus dem Haus »Zum großen Kardinal«, um 1780. Foto: rba_d033564

Franz (François) Foveaux (1726–1766) aus Lille besaß seit 1750 in Köln das Bürgerrecht und betrieb ein Tabakgeschäft. 1755 gründete er zudem eine Tabakfabrik, in der er einen – wegen seiner Form »Karottentabak« genannten – Schnupftabak produzieren ließ. Eine überlebensgroße Kardinalsbüste zierte die Fassade des Hauptgeschäftes – seit 1757 in der Bolzengasse 2, direkt am Gürzenich. Der »Große Kardinal«, das Markenzeichen der Firma Foveaux, ging zurück auf eine etwa 100 Jahre zurückliegende Begebenheit: Kardinal Fabio Chigi (der spätere Papst Alexander VII.) ließ in Köln die frohe Kunde verbreiten, dass der Papst mitnichten ein generelles Rauchverbot ausgesprochen habe, sondern nur eines in Gotteshäusern. Worauf Foveaux dem Kardinal mit seinem Signet posthum ein Denkmal setzte.

Nachdem Franz Foveaux im Jahr 1766 ohne erkennbares Motiv von einem Studenten auf dem Heumarkt erstochen worden war, führten seine Witwe Catherine (1729–1793) und vermutlich sein Bruder Ludwig Joseph (1734–1817) das Unternehmen weiter. Im Jahr 1793 übernahm Heinrich Joseph Foveaux (1763–1844) die Firma. Auch er erwies sich als hervorragender Geschäftsmann, und mit dem Unternehmen ging es – trotz der neuen, schärferen Zollbestimmungen unter französischer Herrschaft – steil bergauf. Um 1800 zählte Foveaux mit 40 Arbeitern und einer Kapazität von 75.000 Kilogramm jährlich zu den größten Tabakherstellern Kölns. Auch das Ansehen und die gesellschaftliche Stellung der Familie Foveaux wuchsen: Als Vertreter des Großbürgertums waren sie an politischen wie auch juristischen Prozessen beteiligt. Sowohl Ludwig (1799) als auch Heinrich (1810) bekleideten Ämter in der neu gegründeten Handelskammer. 

Entsprechend war wohl auch der Lebensstandard der Familie als gehoben zu bezeichnen, wovon auch der Nachwuchs profitierte. Aufwändiges und teures Spielzeug galt für die meisten Familien im ausgehenden 18. Jahrhundert als unerschwinglich. Mit einer Puppenküche wie dieser konnten nur wohlhabende Eltern ihre Jüngsten erfreuen. Wahrscheinlich waren es Heinrichs Töchter Aloysia Ludovika Franziska (1794–1818), Maria Johanna Franziska (1797–1877) und Henriette Catherine Stephanie (1805–1878), die jene Puppenküche ihr Eigen nannten. Für Töchter aus »gutem Hause« hatte derartiges Spielzeug allerdings auch einen pädagogischen Sinn – im Hinblick auf das künftige Erwachsenenleben. Während sich die Jungen eher mit Kaufmannsläden, Ritterburgen und Spielzeugwaffen beschäftigten, wurden die Mädchen mit Puppen, Puppenstube und Kochutensilien auf ihre festgelegte Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet. Neben einem Esstisch mit Stuhl, Schüsseln, Tellern und einer Butterglocke befindet sich unter den 55 Miniaturen auch ein kleines Regal mit Aufbewahrungsgefäßen, eine Schere und eine Axt.

Zwischen 1841 und 1844 zog sich Heinrich Foveaux aus dem Geschäft zurück und überließ es dem Mann seiner Enkelin Catherine, Johann Josef Minderop, der einer Tabakfabrikantenfamilie aus Rotterdam angehörte, die seit dem 18. Jahrhundert in Köln Geschäfte machte. Da Heinrich (gest. 1845) und seine Frau Catharina Ignatia (gest. 1826) keine Söhne hinterließen, gab es nach dem Tod der ledig gebliebenen Tochter Josephine (gest. 1878) keine Foveaux mehr in Köln. Dennoch führten die verschwägerten Minderops die Firma unter diesem Namen weiter, bis das Stammhaus in der Bolzengasse bei den Luftangriffen in den 1940er Jahren völlig zerstört wurde.

Bei der Inventarisierung 1921 gab die Schenkerin »Fräulein M[aria] E[lisabeth] Peters« aus Godesberg an, die Puppenküche habe der Familie Foveaux gehört und stamme etwa aus dem Jahr 1780. Peters betrieb in Godesberg die Pension »Haus Hohenlinde« in der Lindenallee 13. Wie eine Godesberger Pensionsbesitzerin in den Besitz der rund 150 Jahre alten Puppenküche der Familie Foveaux aus Köln gekommen ist, lässt sich aus den Quellen leider nicht mehr rekonstruieren. Möglicherweise entstammte sie der Familie von Carl Peters, der Ende des 19. Jahrhundert das gleichnamige Kaufhaus in der Zeppelinstraße (heute Karstadt) gründete. In Köln könnte so der Kontakt zwischen der Händlerfamilie Peters und den industriellen Foveaux-Erben zustande gekommen sein.

 

Puppenküche der Familie Foveaux aus dem Haus »Zum großen Kardinal«, Köln, um 1780, Keramik, Holz, Metall; Tisch: B: 17 cm, T: 9 cm, H: 8 cm, Inv.-Nr. HM 1921/85. Schenkung von M. E. Peters aus Godesberg, 1921 (Wert 300 Mark, korrigiert in 500 Mark). Foto: rba_d033564


Autor: Sascha Pries

 

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