Linksdrehender Hase gesucht

Das ein wenig gramvoll schauende Tier ist ein Hase und die Schale, die er präsentiert, ist nicht fürs Salz zum Frühstücksei gedacht, sondern für Sand zum Trocknen der Tintenreste beim Schreiben mit der Feder.

<strong>Aufrecht sitzender Hase auf herzförmiger Bodenplatte mit Schale,</strong> 18. Jahrhundert. <br />Foto: rba_d033563
Aufrecht sitzender Hase auf herzförmiger Bodenplatte mit Schale, 18. Jahrhundert.
Foto: rba_d033563

Gramvoll blickt der Hase sein Gegenüber an. Wie er seine Schale präsentiert – aufrecht sitzend und mit angelegten Ohren, scheint er keineswegs Sinnen- oder Wolllust zu verkörpern. Überhaupt die Schale, was sollte sie aufnehmen? Weihwasser, Gewürze oder ein (flach liegendes) Ei? Wäre er dann ein Osterhase und zum Frondienst am Frühstückstisch verdammt?

Fragen über Fragen, doch der Hase wird nichts sagen. Das wusste bereits Joseph Beuys (1921–1986), als er 1965 umgekehrt selbst die Kommunikation eröffnete und die Besucher der Galerie Schmelka in Düsseldorf aussperrte, als er vorführte, »Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt«. Mit Goldstaub und Honig einbalsamiert, trug er einen toten Hasen und führte ihm die Bilder vor. Die Kunstwelt war von der anrührenden Aktion begeistert, lieferte sie doch einen anhaltend interessanten Deutungsraum für die Beziehung von Künstler zu Hase.

Der hier vorzustellende Hase tritt jedenfalls nicht als Symbol für Inkarnation (oder anderes), sondern als einfacher Gebrauchsgegenstand einer vergangenen Zeit auf: Die sprichwörtliche Redensart »Konkurrenz belebt das Geschäft« traf bereits auf die Situation der Westerwälder Kannenbäcker zu, die Anfang des 18. Jahrhunderts feststellen mussten, dass Porzellan fortan in Adelskreisen bevorzugt und keramisches Geschirr verschmäht wurde. Und auch die bürgerlichen Haushalte zogen das elegante Porzellanweiß dem tristen Grau des Steinzeugs vor. Entsprechend entwickelten die Töpfer phantasievolle Interpretationen von »neuen« Gebrauchsgegenständen in hellem Ton, wie Schreibzeuge, Tee- und Kaffeekannen, Terrinen, Salzschalen oder Kerzenhalter.

So auch diesen (raren) Hasen, der als Teil eines Schreibzeugs zu verstehen ist: Er hält die Sandschale, womit der Schreiber die Tinte löschen kann. Im Gegensatz zu Schreibzeugen in Bank- oder Herzform, die immer Tintenfass und Sandstreuer zusammen beinhalten, ist dieses auf zwei Skulpturen konzipiert und braucht ein Pendant mit Tintenfass. Stellt man den nach rechts gewandten Hasen auf die linke Schreibtischseite, dass er dem Schreiber zugewandt die Sandschale präsentiert, müsste rechter Hand ein nach links gewandtes Gegenstück stehen, wie es zum Beispiel im Museum für Angewandte Kunst in Köln in Form zweier Löwen existiert, die übrigens gebräuchlicher waren als unser Hase, wie ein weiteres Exemplar im British Museum belegt.

Der Hase kam 1943 von »J. Schrader im Tauschwege erworben« ins Rheinische Museum. Mit 2.300 Reichsmark bewertet, wird keine Gegengabe des Museums erwähnt. Häufige Einträge in den Inventaren wie »abgegeben an Schrader« lassen jedoch vermuten, dass es eine oder mehrere Gegengaben gegeben haben dürfte.

 

Aufrecht sitzender Hase auf herzförmiger Bodenplatte mit Schale, Westerwald, 18. Jahrhundert, helles, salzglasiertes Steinzeug, H: 15,5 cm, Inv.-Nr. RM 1943/12 a. Tausch mit Josef Schrader, 1943. Foto: rba_d033563

 


Autor: Beatrix Alexander

 

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