Köln wie es war

August Sanders Mappenwerk „Köln wie es war“ kann mit Fug und Recht als wichtigster Bestand der Graphischen Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums bezeichnet werden. Nach langwierigen Verhandlungen verkaufte Sander 405 Vorkriegs- und 2 Trümmeraufnahmen in 16 Mappen mitsamt der Negative und allen Rechten an die Stadt Köln.

<strong>August Sander: Zeughaus (Mappe 9,15)</strong>, Köln, 1930– 1939. Foto: rba_d006249
August Sander: Zeughaus (Mappe 9,15), Köln, 1930– 1939. Foto: rba_d006249

Kurz nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst und seiner Rückkehr nach Köln 1919 hatte der Fotograf August Sander (1876–1964) begonnen, die Stadt zu porträtieren. Die Eindrücke, die er von den zerstörten französischen und belgischen Orten mitbrachte, ließen ihn nun verstärkt in Köln fast dokumentarische Architektur- und Landschaftsaufnahmen machen, um die Stadt im Bild festzuhalten. In diese Zeit fiel auch seine Bekanntschaft mit der Kölner »Gruppe progressiver Künstler«. Die folgende rege Auseinandersetzung und der intensive Austausch mit den »Kölner Progressiven« prägten dann auch die Struktur und das theoretische Konzept von Sanders fotografischem Werk.

Die Arbeit an seinem Köln-Porträt setzte er bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs fort. Er verzichtete bewusst darauf, seine Arbeiten zu datieren. Er war kein Fotojournalist, er machte keine Schnappschüsse – seine Architekturaufnahmen sind weder Momentaufnahmen noch reine Architekturaufnahmen. Es handelt sich um das Porträt einer Stadt in ihrer grundlegenden kulturhistorischen Bedeutung. Dass diese Vorkriegsaufnahmen wenig später eine über das rein Dokumentarische hinausgehende Bedeutung haben würden, war nicht vorauszusehen. So zeigen seine Bilder ein Häusermeer, das bald darauf zu einem Trümmerfeld werden sollte. Seine Fotografien erhielten nach 1945 eine neue kulturhistorische Dimension, sie geben ein Bild des alten Köln, eines »Köln wie es war«, wieder.

Nach dem Krieg arbeitete Sander weiter an seinem Köln-Porträtwerk, dem 1946 zwei weitere Projekte folgten: »Köln nach der Zerstörung« als Mahnung und Warnung sowie eine Zusammenstellung eines umfangreichen Konvoluts von Aufnahmen der Jahre 1920 bis 1939, die das unzerstörte Köln zeigten. Im Frühjahr 1952 war das Werk unter dem Titel »Köln wie es war« vollendet.

Sander bot die 16 Mappen »mit [407] künstlerischen Großaufnahmen« der Stadt Köln an. Zunächst hatte er sich an den ihm bekannten Oberbürgermeister Görlinger gewandt, der die Mappen an die Kulturverwaltung zur Bewertung und Prüfung weitergab. Museums- und Bildarchivleiter Franz Brill und der Beigeordnete Steinforth befürworteten den Erwerb, monierten aber die geforderte Summe von 25.000 DM als zu hoch für »Archivmaterial«. Die Fotografie als Kunstform war in den 1950ern in breiten Kreisen noch nicht anerkannt, obwohl Sander gerade erst auf der ersten photokina 1951 gezeigt worden war.

Brill stellte am 10. April 1952 fest, die Bilder »entsprechen (...) nicht unseren Ansprüchen: vor allem weisen sie eine zu starke, im wesentlichen auf künstlerische Wirkungen abgestellte Retousche auf, als dass sie unseren Anforderungen einer prägnanten Wiedergabe entsprächen.« Die Sammlung in der angebotenen Form sei nicht für das Historische Museum geeignet; »sie ist mehr darauf ausgerichtet, um zu Geschenkzwecken verwandt zu werden«. Für ihn waren die unretuschierten Negative von größerem Wert, er schätzte das Mappenwerk auf 4.000 DM sowie 6 DM je Negativplatte (circa 2.450 DM). Görlinger war mit der Ablehnung bzw. dem lächerlich niedrigen Preis nicht einverstanden und fand in Oberstadtdirektor Suth einen Mitstreiter. Im Februar 1953 hatte sich Brills Meinung in ihr Gegenteil verkehrt: Es handelte sich nun um tadellose Bilder vom Aussehen der wichtigsten Profan- und Kirchenbauten vor der Zerstörung. »Ihr Dokumentarwert wird von der künstlerischen Ausführung der Bilder übertroffen.«

Der Kulturausschuss stimmte am 11. März 1953, der Finanzausschuss am 24. März einem Erwerb als »außerplanmäßige Ausgabe« zu. Anders als alle anderen großen Ankäufe sind die Sander-Mappen bis heute nicht inventarisiert worden, obwohl sie unzweifelhaft zum Bestand der Graphischen Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums gehören. Glücklicherweise verzichteten aber Brill und seine Nachfolger darauf, die Fotografien »zu Geschenkzwecken« zu verwenden, weshalb sich das Mappenwerk komplett im Kölnischen Stadtmuseum erhalten hat.

 

August Sander: Zeughaus (Mappe 9,15), Köln, 1930–1939, Fotografie, H: 27,3 cm, B: 20,9 cm. Ankauf der Stadt Köln von Sander 1953. Für das komplette Mappenwerk mit allen Rechten (16 Mappen mit 407 Aufnahmen und den zugehörigen Negativen) zahlte die Stadt 25.000 DM. Foto: rba_d006249


Autor: Rita Wagner M. A.

 

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