Köln als romantische Ruinenkulisse

Das Fischkaufhaus war seit seinem Bau ein Brennpunkt der stadtkölnischen Wirtschaft gewesen. Hier wurde vor allem der wichtige Hering gehandelt. Eines der wenigen bildlichen Zeugnisse davon gibt diese Zeichnung von J. Vinckboons, der seine Rheinreise in einem Skizzenbuch festhielt.

<strong>Johannes oder Justus (Joost) Vinckboons: Groß St. Martin, Heringsniederlage und Fischkaufhaus, </strong>um 1664/65. <br />Foto: rba_d033427
Johannes oder Justus (Joost) Vinckboons: Groß St. Martin, Heringsniederlage und Fischkaufhaus, um 1664/65. 
Foto: rba_d033427

Im 17. Jahrhundert entdeckten die niederländischen Künstler die Rheinlandschaft und deren romantischen Zauber. Auch Köln wurde gern aufgesucht. Bei solch einer Gelegenheit entstand diese Ansicht vom Kölner Rheinufer aus der Zeit um 1665.

Rechts erkennt man das ab 1558 im Stil der niederländischen Renaissance neu errichtete Fischkaufhaus und den vorgelagerten Platz der Heringsniederlage. Die in der Nordsee gefangenen Heringe und der von Rhein und Mosel stammende Wein zählten seit dem späten Mittelalter zu den wichtigsten Kölner Handelsgütern. Die Heringe wurden in Köln umgepackt, und die Heringsfässer erhielten hier spezielle Brandzeichen, den Kölner Brand, der als Gütemerkmal galt. Dieselben Kaufleute, die den Hering den Rhein hinauf oder nach Osten handelten, brachten auf der Rückkehr Wein mit. Bis ins 19. Jahrhundert blieben die Kölner Großhändler im Weinhandel marktbeherrschend.

Es gab große Kaufhäuser für die wichtigsten Waren: das Leinenkaufhaus am Alter Markt (1550 zum Rathaus eingezogen), die Eisenhalle (Eisen, fremde Tücher) am Malzbüchel, das Erdgeschoss des Gürzenichs für »trockene« Waren oder »Drugewaare« wie Häute, Metalle, Drogeriewaren und Gewürze, später auch Textilien – und das hier gezeigte Fischkaufhaus für fette und feuchte Waren, sogenannte Ventgüter. Am 7. Mai 1259 hatte der Kölner Erzbischof und Stadtherr Konrad von Hochstaden seiner Stadt das Stapelrecht verbrieft – es besagte, dass kein Kaufmann aus dem Osten mit seinen Waren über Köln, kein Kaufmann aus dem Westen über Rodenkirchen hinaus und keiner vom Oberrhein weiter als Riehl ziehen durfte. Jeder fremde Kaufmann musste also in Köln haltmachen und seine Waren den Kölner Großhändlern anbieten, denn Gästeverkauf und Detailhandel waren streng verboten. Dies verschaffte den Kölner Händlern enorme Vorteile, sie konnten sich die besten Waren heraussuchen, um sie anschließend weiter zu verhandeln. Auswärtige Unternehmen beschäftigten Kölner Zwischenhändler, um ebenfalls zu profitieren. Zudem musste auf die Waren Steuer, Akzise, gezahlt werden, die den städtischen Haushalt finanzierte.

Allerdings wurde mit der schriftlichen Fixierung des Stapelrechts einer ohnehin gängigen Praxis Rechnung getragen – nördlich von Köln wird aus dem Mittel- der Niederrhein, was früher auch einen Wechsel der eingesetzten Schiffstypen nötig machte. Die flachbödigen Oberländerschiffe, die gegen den Strom getreidelt werden mussten, wurden durch küstentaugliche Segelschiffe mit Kiel getauscht. Hierzu mussten die Waren natürlich umgeladen werden. Und da der meiste Warenverkehr über den Rhein erfolgte, hatte sich Köln seit seiner Gründung als Handelszentrum im nordwestlichen Europa etabliert. Zudem querten hier die Handelsrouten aus dem Maasgebiet nach Osten den Rhein. Allerdings wurden Verletzungen des Stapelrechts nur auf dem Papier scharf geahndet. In der Realität wurde kaum jemals jemand ernsthaft bestraft.

1908 schenkte Arthur Camphausen, Bankier sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Concordia und der Kölnischen Rückversicherung, dem Historischen Museum ein Skizzenbuch, das 71 Zeichnungen mit Ansichten des Niederrheins bis Köln und Bonn zeigt. Schon seit 1904 befand sich eine weitere Zeichnung aus dem Skizzenbuch mit einer Ansicht von St. Aposteln als Geschenk des Stadtbibliothekars Otto Zaretzky im Besitz des Museums. Benannt wurde das kleine, in einen ledernen Einband gebundene Buch nach dem später auf mehreren Blättern hinzugefügten Namen »Finkenbaum«. Als Zeichner ließ sich ein »J. Vinckboons« identifizeren. Damit kommen zwei Brüder aus Amsterdam als Urheber in Frage – zum einen der Architekt Justus oder Joost Vinckboons (1620/21–1698), zum anderen dessen älterer Bruder, der Zeichner, Kupferstecher und Verleger Johannes Vinckboons (1616/17–1670). Die Zusammenstellung der Skizzen erfolgte erst später. Ursprünglich handelte es sich um drei eigenständige, zwischen 1660 und 1665 entstandene Konvolute, wobei der letzte Band fast ausschließlich Kölner Bauwerke der Zeit 1664/65 zeigt.

 

Groß St. Martin, Heringsniederlage und Fischkaufhaus, aus: Skizzenbuch des Johannes oder Justus (Joost) Vinckboons, um 1664/65. Lavierte Tuschezeichnung, Blatt H: 15 cm, B: 20 cm, 
Inv.-Nr. HM 1908/69. Geschenk des Geheimen Kommerzienrates Arthur Camphausen (1839– 1921), Wert 7,50 Mark – das entsprach zwei Tagesverdiensten eines Straßenbahnschaffners. Foto: rba_d033427


Autor: Rita Wagner

 

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