Eine schwierige Geburt

Elf Jahre nach der Zerstörung des alten Wallraf-Richartz-Museums und – damit verbunden – der Fresken von Eduard von Steinle (entstanden 1861 bis 1864 im dortigen Treppenhaus) erwarb das Stadtmuseum 1954 aus dem Nachlass der Erben des Künstlers vier Vorentwurfszeichnungen: »Die neueste Renaissance der Kunst« (1550–1825) und »Der Ausbau des Domes« (1825–1855).

<strong>Edward von Steinle: Entwurf für ein Treppenhaus-Fresko des alten Wallraf-Richartz-Museums, </strong>, Frankfurt a. M., 1862. Foto: rba_d033527
Edward von Steinle: Entwurf für ein Treppenhaus-Fresko des alten Wallraf-Richartz-Museums, , Frankfurt a. M., 1862. Foto: rba_d033527

Im Jahr 1857 erhielt Edward von Steinle (1810– 1886), Professor der Historienmalerei an der Städel‘schen Kunstschule in Frankfurt a. M., nach zähen Verhandlungen mit der Kunstkommission der Stadt Köln den ehrenvollen Auftrag, die Treppenhausfresken im von Heinrich Richartz gestifteten Museumsneubau für die Sammlung Wallraf auszuführen. Die Fresken sollten die Ouvertüre zu den Kunstsammlungen bilden. Mit dem Künstler vereinbart wurden vier große Wandgemälde zur Geschichte Kölns, aufgeteilt in vier Abschnitte: »Die römische und romanische Periode« (16 v. Chr.–1248), »Die mittelalterliche Periode« (1248– 1550), »Die neueste Renaissance in der Kunst«

(1550–1825) und »der Ausbau des Domes« (1825– 1855). Hinzu kam eine Reihe von Sockelbildern mit Kölner Stadtheiligen, lokalgeschichtlichen Ereignissen und dem unvermeidlichen Karneval. Steinle erfüllte den Auftrag zwischen 1861 und 1864. Kaum 80 Jahre später (beim Peter- und Pauls-Angriff am 29. Juni 1943) gingen die Fresken im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs unter.

Erhalten und seit 1954 im Besitz des Museums blieben vier Vorentwürfe zu den beiden letzten 1863 und 1864 realisierten Fresken, der »neuesten« bzw. »neuen« Renaissance sowie dem Ausbau des Domes und Entwürfe für die Sockelfriese. Die beiden ersten, 1858 eingereichten Entwürfe wurden, jeweils einhergehend mit Querelen und Intrigen innerhalb wie außerhalb des zuständigen »Comitées«, abgelehnt, die 1862 und 1863 nachgeschobenen Zweitentwürfe schließlich umgesetzt, so auch das vorliegende Blatt, »Die neue Renaissance«. Im Verlauf der konfliktreichen Entstehungsgeschichte der Fresken wurde Steinle zwischenzeitlich sogar der Auftrag gekündigt, und seine sensible Künstlernatur litt entsprechend, wie er in Briefwechseln seinen Freunden anvertraute.

Den Kompromiss – der Diplomatie und Geduld des für das ikonographische Programm verantwortlich zeichnenden Bonner Theologen und Archäologen Joseph Braun geschuldet – hat Steinle selbst in der folgenden Bildbeschreibung zusammengefasst (Anm. des Verf. in eckigen Klammern): »Im Vordergrund links steht Bernhard Jabach [gemeint ist Eberhard Jabach III., 1567–1636] mit Geldorp [G. Gortzius, 1553–nach 1619] und Rubens – eine Beziehung auf St. Peters Bild [gemeint ist »die Kreuzigung Petri« in St. Peter, auf Vermittlung von Georg Gortzius bei Rubens vom Bankier Jabach in Auftrag gegeben]. Hinter dieser Gruppe steht von Vondel, der berühmte holländische Dichter, ein geb. Kölner [Joost van den V., 1587–1679], mit der berühmten Anna von Schürmann im Gespräch [1607–1678]. Gegen die Mitte zu, auf erhöhtem Grunde steht Winckelmann [Johann Joachim W., 1717–1768] in der Erklärung des Laokoon begriffen. Die Mitte selbst aber nimmt Friedrich Schlegel [1772–1829] stehend ein. Zwischen diesen beiden letzten schreitet Goethe selbständig zur Gesellschaft. Rechts von Fr. Schlegel zeichnet Sulpiz Boisserée [1783–1854] an seinem Domwerke, Melchior [M. Boisserée, 1786–1851] steht auf dem Bild gelehnt hinter ihm und horcht auf Schlegel. Bertram [Johann Baptist B., 1776–1841] sitzt teilnehmend auf dem Zeichentische. Im Vordergrund rechts steht Wallraf [Ferdinand Franz W., 1748–1824], ebenfalls auf Schlegel horchend, und Richartz [Johann Heinrich R., 1796–1861] legt ihm, den Museumsplan in der Linken, die rechte Hand auf die Schulter.«

Am Gesamtprogramm hat man als Besonderheit die »Deutung der Kunst- und Kulturgeschichte (...) in ihrer selbstbewußten Beschränkung auf das Kölnische« (Rolf Andree) hervorgehoben. Aber gerade die Kritik an der »neuen Renaissance« sollte nicht abreißen. Man bemängelte zum Beispiel, dass Matthias Josef de Noël und Joseph Görres als wichtige Vorkämpfer für die Domvollendung fehlten. Ein Kompromiss stellt selten alle zufrieden – am allerwenigsten in der Domstadt!

 

Edward von Steinle: Entwurf für ein Treppenhaus-Fresko des alten Wallraf-Richartz-Museums, Frankfurt a. M., 1862. Aquarellierte Bleistift- und Federzeichnung auf Papier, H: 66 cm, B: 56 cm, Inv.-Nr. HM 1954/131 d. Nachlass Edward von Steinle – wahrscheinlich Nachlass des Sohnes Alphons Maria von Steinle, am 20. 11. 1954 erworben bei der 441. Lempertz’schen Kunstversteigerung. Foto: rba_d033527


Autor: Dr. Ulrich Bock

 

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