Ein Welthit »us Kölle«

Der Kölner Gerhard Ebeler, vielen bekannt durch seine unzähligen kölschen Schlager-Hits und Evergreens, begann seine Gesangskarriere schon in den 1920er-Jahren. Unterwegs in der karnevalistischen Musikszene, textete er zunächst für den Revue-Star Grete Fluß. In den 1930ern landete der gelernte Steinmetz Ebeler mit »Du kannst nicht treu sein« einen Welthit.

<strong>Gerhard Ebeler, um 1932</strong><br />Lichtdruck. Foto: rba_d033416
Gerhard Ebeler, um 1932
Lichtdruck. Foto: rba_d033416

Bevor Gerhard Ebeler mit seinem Liedtext »Du kannst nicht treu sein« nach dem Zweiten Weltkrieg einen fulminanten »Welthit« aus der Domstadt landete, gehörte er bereits in den 1920er und 1930er Jahren mit Hans Jonen, Hans Otten, Engelbert Sassen und Willi Ostermann zu den Stars nicht nur der karnevalistischen Musikszene in Köln. Sie alle sangen und texteten am laufenden Band einen Hit bzw. Evergreen nach dem anderen, auch und vor allem für Grete Fluss (1892–1964), die Königin der »Kölschen Revuen« im »Groß Köln« (heutige Sartory-Säle). Zwischen Neujahr und Aschermittwoch füllte die »Grande Dame« der leichten Muse das Haus zweimal täglich bis zum letzten Sitzplatz.

Gerhard Ebeler (1877–1956) war eigentlich gelernter Steinmetz und in den 1920er Jahren an dem Betrieb »Georg Schaefer & Gerhard Ebeler« in Köln-Vogelsang beteiligt. Das kleine Unternehmen stellte bevorzugt Grabdenkmäler her. Erste Spuren auf seiner musikalischen Karriereleiter hinterließ er kurz nach der Jahrhundertwende. Ein uns unbekannter Zeitzeuge hielt fest: »Wie gut, daß Gerhard Ebeler bei seinem ersten Auftritt (es war kurz nach der Jahrhundertwende bei der ›Großen Allgemeinen‹) einen Partner hatte. Der schleppte den Gerhard, der vor lauter Lampenfieber türmen wollte, nämlich regelrecht auf die Bühne. Nachdem er anständig über die Runde gekommen war, blieb er dabei (...)«

Heute können wir seinen wohl ersten Auftritt bei der »Großen Allgemeinen Carnevals-Gesellschaft v. 1900« genauer festmachen. Vorausgegangen war aber bei der Karnevalsgesellschaft eine der vielen »karnevalistischen, kölschen Zellteilungen«. Der Grund: 1899 war man bei der »Großen KG von 1823 e.V.« unzufrieden mit einem Saalwechsel in die Innenstadt. Vielen in der Gesellschaft war das Ambiente des Victoriasaals am Waidmarkt lieb geworden. Peter Prior, zuvor sechs Jahre Präsident der »Großen KG«, spaltete sich mit Gleichgesinnten ab und gründete am 1. Januar 1900 den Verein »Allgemeine-Carnevalsgesellschaft im Victoriasaal«. Ab 1901 wurde die Gesellschaft zur »Allgemeinen Carnevalsgesellschaft« und 1903 endgültig zur »Großen Allgemeinen KG«. Genau aus diesem Jahr hat sich das erste Liederheft der Gesellschaft im Kölnischen Stadtmuseum erhalten. Dort findet sich unter der Überschrift »Zwiegespräche und Duette« unter anderem: »Ebeler und Paffenholz 2. Sitzung« und »Ebeler, Geh. und Fries 6. Sitzung«. Waren dies seine ersten öffentlichen Auftritte im Victoriasaal, an die sich unser Zeitzeuge erinnerte? In den 1910er Jahren besprach Ebeler dann schon Grammophonplatten mit »humoristischen Vorträgen« in kölscher Mundart.

Kommen wir aber zurück zu Ebelers Welthit »Du kannst nicht treu sein«. Ebeler schuf den Text und sein langjähriger Partner Hans Otten (1905–1942) die Melodie. Den Schunkelwalzer brachte 1932 zunächst die Volkssängerin Grete Fluss in der Karnevalsrevue »D‘r Zog kütt« auf die Bühne und machte ihn populär. Dann folgte 1935 das Lied auf Schallplatte. In die deutschen Kinos kam das Stück 1936 durch den gleichnamigen Film von Franz Seitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchte das Lied unter anderem Titel in Amerika auf: »You can‘t be true dear«. Die Fassung von Ken Griffin blieb sieben Wochen auf Platz eins der US-Charts.

Den Tantiemenstreit gewann Ebeler übrigens, passend zum Titel eines seiner vielen, vielen Liedtexte: »Do ka‘mer sinn, wo et Geld es«.

 

Gerhard Ebeler, um 1932, Aufschrift: GERHARD EBELER, Lichtdruck, H: 29,8 cm, B: 17,2 cm, Inv.-Nr. RM 1932/274. Schenkung Gerhard Ebeler, 1932. Foto: rba_d033416


Autor: Dr. Michael Euler-Schmidt

 

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