Ein Napoleon in Silber für fleissige Schüler

Die Franzosen, die seit Oktober 1794 in Köln das Sagen hatten, führten auch ihr Schulsystem ein. Dieses war extrem leistungsorientiert. Am Ende des Schuljahres gab es Auszeichnungen für die Besten.

<strong>Preis für herausragende Leistungen für Schüler des Collège de Cologne, </strong>1811. <br />Foto: rba_d033542_02 (Avers); rba_d033542_01 (Revers)
Preis für herausragende Leistungen für Schüler des Collège de Cologne, 1811.
Foto: rba_d033542_02 (Avers); rba_d033542_01 (Revers)

Auf Napoleon (1769–1821, Kaiser 1804–1814/15) wurden mehr Medaillen geprägt als auf irgendeine andere Persönlichkeit der Weltgeschichte. Auf dieser silbernen Medaille findet ein Porträt Napoleons Verwendung, das der Medailleur Bertrand Andrieu (1761–1822) anlässlich der Kaiserkrönung Napoleons am 2. Dezember 1804 schuf. Das jugendlich wirkende Bildnis des immerhin fast Vierzigjährigen, das Haupt mit einem Lorbeerkranz geschmückt, ist nach dem Vorbild römischer Herrscher gestaltet.

Zum Ende eines Schuljahrs sah das extrem leistungsorientierte französische Schulsystem eine Auszeichnung der Besten vor. Erhalten haben sich Medaillen wie diese hier in Silber aus dem Jahr 1811. Im selben Jahr wurden auch drei Goldmedaillen als »Prix unique d‘excéllence« verliehen. Der Einfachheit halber wurden die Kölner Sekundärschulen auf den Medaillen als »Collège de Cologne« bezeichnet.

Seit dem Frieden von Campo Formio am 17. Oktober 1797 wurde Köln allmählich in die Französische Republik eingegliedert. Neben Errungenschaften der Revolution wie der Religionsfreiheit brachte dies aber auch das Ende der Freien Reichsstadt und vieler ihrer zum Teil jahrhundertealten Einrichtungen. Mit dem Floréaldekret vom 28. April 1798 wurden die Universitäten von Mainz, Trier und Köln sowie die drei Kölner Gymnasien – Laurentianum, Montanum und Tricoronatum –, die Teil der Artistenfakultät waren, aufgehoben. Stattdessen wurde in Köln eine Zentralschule nach französischem Vorbild eingerichtet, an der viele Professoren der alten Universität, unter anderem auch Ferdinand Franz Wallraf, als Lehrer tätig waren. Bereits 1802 wurden die Zentralschulen als ein Relikt der republikanischen Zeit und wegen ihres »antiklerikalen Geistes« durch den Ersten Konsul Napoleon Bonaparte wieder aufgehoben und gemäß dem Schulgesetz vom 1. Mai durch Primär- und Sekundärschulen sowie Lycées und Spezialschulen ersetzt.

In Köln gab es fortan keine höhere Bildung mehr, nur noch Primärschulen und eine in den Räumen des ehemaligen Laurentianergymnasiums untergebrachte Sekundärschule (ersten Grades). Der dort erteilte Unterricht umfasste lediglich die Klassen der Unter- und Mittelstufen. Man bemühte sich zunächst vergeblich, für Köln ein staatliches Lycée zu erreichen, also eine höhere Bildungsanstalt, deren Abschluss zum Besuch von Fachhochschulen zum Beispiel für Recht oder Medizin berechtigte.

Als Napoleon im September 1804 Köln besuchte, trug ihm Bürgermeister Johann Jakob von Wittgenstein die Bitte vor, der Stadt in den Räumen des ehemaligen Jesuitengymnasiums ein Lycée zu bewilligen, dessen vom Staat unabhängige Finanzierung gesichert wäre. Ein Jahr später, am 14. November 1805, bewilligte Napoleon im Brumaire-Dekret von St. Pölten der Stadt Köln eine für das gesamte französische Staatsgebiet einmalige neue Anstalt: die »Sekundärschule zweiten Grades«, dieeinem staatlichen Lycée entsprach, aber unter kommunaler Trägerschaft stand. Unterrichtssprache war Französisch. Von den Professoren der ehemaligen Zentralschule wurden nur die Professoren Christian Kramp, Friedrich Schlegel und Ferdinand Franz Wallraf übernommen. Zum Unterhalt der beiden Kölner Sekundärschulen wurden sämtliche Güter, Kapitalien und Einkünfte des ehemaligen Gymnasialvermögens der alten Gymnasien sowie des aufgehobenen Jesuitenkollegiums bestimmt – ein ebenfalls einmaliger Vorgang. Eigentlich hätten diese Vermögen an den Staat fallen sollen. So aber bildeten sie den Grundstock des bis heute aktiven Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds.

Noch 1813 hatte die französische Verwaltung beschlossen, die Sekundärschule zweiten Grades in ein Lycée umzuwandeln. Wallraf hatte daher bei seiner Straßenumbenennung (vgl. den Beitrag zu 1912) aus der Marzellenstraße schon eine »Rue de Lycée« gemacht. Der Zusammenbruch des Kaiserreichs setzte beiden Sekundärschulen ein Ende. Die Sekundärschulen wurden am 24. April 1815 in ein preußisches Gymnasium, das »Jesuiten-Gymnasium«, überführt.

Der Verkäufer der Medaille, Franz R. Meyer, hatte acht Jahre zuvor dem Historischen Museum seine 80 Blatt umfassende Sammlung von rheinischer Topographie zum Geschenk gemacht.

Preis für herausragende Leistungen für Schüler des Collège de Cologne, 1811. Avers: nach Bertrand Andrieu, Inschrift Avers: NAPOLEON EMP. ET ROI [Napoleon Kaiser und König], Inschrift Revers: COLLEGE DE COLOGNE MDCCCXI. Silber, Dm: 4,1 cm, Dicke: 0,3 cm, Inv.-Nr. HM 1916/120. Ankauf von Münzhändler Franz R. Meyer, Köln, für 40 Mark. Foto: rba_d033542_02 (Avers); rba_d033542_01 (Revers)


Autor: Rita Wagner M. A.

 

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