Die rote Fahne in Köln

1848: Der Funke, ausgegangen vom Sturz des Königs in Paris, springt auch auf Deutschland über. Die erste Stadt, die die Revolution erreicht, ist Köln. Die Menschen gehen auf die Straßen und fordern mehr Freiheiten und Rechte. Führende Köpfe der Revolution treffen sich hier, auch Karl Marx operiert von Köln aus. Zu den wichtigsten Organisationen während der Unruhen zählte die »Demokratische Gesellschaft«. Symbolträchtige Farbe der Fahne der im April 1848 gegründeten Organisation: Rot!

<strong>Rote Fahne der Demokratischen Gesellschaft, </strong>Köln, April 1848, HM 1888/23B. Foto: rba_KSM1888_23_B
 
Rote Fahne der Demokratischen Gesellschaft, Köln, April 1848, HM 1888/23B. Foto: rba_KSM1888_23_B  

Zwar verzeichneten manche 1848 in Köln eher ein »Revolutiönchen« statt einer Revolution. Doch hier gingen die ersten Massen auf die Straßen; das gesellschaftlich entwickelte Rheinland mit Wortführern wie Camphausen, Raveaux, Gottschalk, Blum und Marx war prägend – von Köln aus agitierten demokratische und sozialistische Vorkämpfer.

Bald wehten auch hier überall schwarz-rot-goldene Fahnen: auf dem Turm des Doms und auf der legendären Barrikade, die am 25. September 1848 den Eingang zum Alter Markt abriegelte, ohne Verteidiger blieb und wieder abgeräumt wurde – geradezu ein Sinnbild der »Kölner Revolution«. Doch Schwarz-Rot-Gold bekam Konkurrenz.

»Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus« verkündet der erste Satz des »Manifestes der Kommunistischen Partei« von Karl Marx und Friedrich Engels, die während der Revolution in Köln aktiv waren. Die Farbe dieses »Gespenstes« war Rot. In Paris bei Demonstrationen 1834 verwendet, sorgte die rote Fahne der Arbeiterbewegung für Diskussionen. Der französische Romantiker Alphonse de Lamartine wies am 25. Februar 1848 vor dem Pariser Hôtel de Ville das Ansinnen von Aufständischen zurück, statt der Trikolore die rote Fahne der »demokratischen und sozialen Republik« zum Nationalsymbol zu machen. Unter der roten Fahne erfolgte der blutig niedergeschlagene Aufstand der Pariser Arbeiter im Juni 1848, von Kölner Demokraten und Kommunisten aufmerksam verfolgt.

In Deutschland tauchten rote Fahnen erstmals 1848 auf – und zwar in Köln. Hier führte man seit April 1848 eine rote Fahne – jedenfalls eine, die gegenüber dem dominierenden Rot nur über kleine Anteile von Schwarz (Aufschriften) und Gold (Bordüre und Stickereien) verfügt. Sie gilt international als Ikone der Revolution. In das blutrote Tuch stickten die Frauen der Revolutionäre – diese Arbeitsteilung war ganz wie in gutbürgerlichen Kreisen – die Parole der Französischen Revolution: »Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit.« und »Gestiftet am 25. April 1848«.

Dies war das Gründungsdatum der Demokratischen Gesellschaft. Ihr Versammlungslokal war der Stollwerck‘sche Saal in der Schildergasse, Treffpunkt der bürgerlichen Opposition. Die Gesellschaft forderte Volkssouveränität, Demokratie und eine Republik auf parlamentarischer Basis. Das Fahnenmotto verwies auf das Vorbild der Revolution von 1789, die Demokratische Gesellschaft war anfangs »entschieden antikommunistisch«, ihr Vorstand vertrat gemäßigte Positionen. Doch auch radikale Linke waren einflussreich: das Gründungsmitglied Karl Marx, Heinrich Bürgers und Wilhelm Wolff, Mitbegründer des »Bundes der Kommunisten«.

Mitglieder der Demokratischen Gesellschaft dienten in der »roten« 9. Kompanie der Kölner Bürgerwehr. Innerhalb dieser Kompanie kam es zum Eklat: Am 23. und 26. Juni 1848 trugen etwa 20 Gesinnungsgenossen als Zeichen der Solidarität mit dem Aufstand der Pariser Arbeiter rote Bänder im Knopfloch: Eine Zumutung für die Anhänger der Monarchie, wo »in Paris die Partei der Anarchie die ›rothe Fahne der rothen Republik‹ aufgesteckt« habe.

Doch nun flatterten auch in Köln rote Fahnen – etwa am 18. September 1848 bei einer Volksversammlung in der Worringer Heide, wo 10.000 Anhänger der Linken der Rede von Friedrich Engels applaudierten. Trotz aller klassenkämpferischen Rhetorik unter roten Fahnen war Engels‘ Kölner Mitstreiter Karl Marx Realist genug, vor Provokationen angesichts des preußischen Militärs zu warnen. Er sollte recht behalten: Am Ende siegte die Obrigkeit, und das Kriegsrecht wurde verhängt.

Die Fahne gelangte in das Historische Archiv der Stadt Köln. Hier wurden bis zum Gründungsjahr des Museums 1888 nicht nur Dokumente, sondern auch Objekte der Stadtgeschichte aufbewahrt. Sie wurden nun an das Museum übergeben – darunter auch diese wohl älteste rote Fahne Deutschlands. 

 

Rote Fahne der Demokratischen Gesellschaft, Köln, April 1848, rote Seide, schwarz bemalt, mit goldfarbenen Fäden bestickt, umlaufende goldene Fransen, H: 187 cm, B: 210 cm, Inv.-Nr. HM 1888/23B. Inschrift: »Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit. / Demokratische Gesellschaft in KÖLN. / Gestiftet am 25. April 1848.« Überweisung aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln 1888. Foto: rba_KSM1888_23_B


Autor: Dr. Mario Kramp

 

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