Dickie Forever

Dirk Bach, eine Kölner Theater- und Fernseh-Legende. In Köln-Heimersdorf geboren, machte er schon früh erste Schauspiel-Erfahrungen, bevor er über Improvisations- und Off-Theater an das Kölner Schauspielhaus kam. In den 1990ern entdeckte das Fernsehen ihn – oder er das Fernsehen? Ab sofort in unzähligen Fernsehproduktionen zu sehen, wurde Dirk Bach über die Kölner Grenzen hinaus berühmt. 2001 bekam er in genau diesem Maßanzug die Goldene Kamera verliehen.

<strong>Andreas Janczyk: Galaanzug von Dirk Bach</strong>, Köln, um 2001. <br />Foto: rba_d033460
Andreas Janczyk: Galaanzug von Dirk Bach, Köln, um 2001.
Foto: rba_d033460

Gardemaß geht anders. Kostüme für das Format eines Dirk Bach zu schneidern, galt wohl in der Branche schon immer als besondere Herausforderung. Andreas Janczyk, Bachs in Köln beheimateter Leibschneider, stellte sich dieser Aufgabe mit Hingabe und überbordender Phantasie. So fertigte er dem »Dickie«, wie ihn Freunde und Kollegen respekt- und liebevoll nannten, über die Jahre hinweg die schillerndsten Garderoben. Ob nun für Bachs Auftritte als »Flora, die fliederfarbene Fledermaus« oder als bissiger Conférencier im RTL-Dschungelcamp.

Geradezu dezent kommt jener samtene Galaanzug daher, in dem Bach 2001 eine der begehrtesten Film- und Fernsehtrophäen entgegennehmen konnte: Die seit 1966 alljährlich von der Programmzeitschrift »HÖRZU« verliehene Goldene Kamera – für seine Titelrolle in der ZDF-Sitcom »Lukas«. Und das war nur ein Highlight einer beispiellosen rheinischen Karriere: Dirk Bach, 1961 als Spross zweier WDR-Angestellter aus Köln-Heimersdorf geboren, brillierte schon 1978 in seiner ersten Bühnenrolle im Kölner Jugendclub Kritisches Theater. Unter der Intendanz von Hans Günther Heyme spielte er in Heiner Müllers »Prometheus«. Bach, der nie eine Schauspielschule von innen sah, sammelte seine frühen Erfahrungen in Off-Theatern und der freien Szene. Vor allem in den 1980er Jahren, gemeinsam mit Weggefährten wie Hella von Sinnen, mit der er in einer Kölner Wohngemeinschaft lebte. Sein komödiantisches Talent bewies Bach zu dieser Zeit erstmals in Walter Bockmayers Theater Die Filmdose – als »fesches Madel« in der »Geierwally«. Nach Engagements am Bonner Improvisationstheater Die Springmaus und seit 1992 als festes Mitglied des Ensembles des Kölner Schauspielhauses entdeckte ihn das Fernsehen und er das Fernsehen für sich. Danach ging es Schlag auf Schlag und steil bergauf – mit der »Dirk Bach Show«, »Der kleine Mönch«, »Schillerstraße« und schließlich mit seinen geistreich-bissigen Auftritten neben Co-Moderatorin Sonja Zietlow in »Ich bin ein Star, holt mich hier raus«, mit dem das Trash-Format sogar Einzug ins seriöse Feuilleton und auf die Nominierungsliste des renommierten Deutschen Fernsehpreises hielt.

 

<strong>Goldene Kamera</strong>, Entwurf: Wolfram Beck, Berlin, 2000er-Jahre. Foto: rba_d033469_03
 
Goldene Kamera, Entwurf: Wolfram Beck, Berlin, 2000er-Jahre. Foto: rba_d033469_03  

Ob als »Urmel auf dem Eis«, als »Konzentrationslager-Erhardt« in der Bühnenadaption von Ernst Lubitschs »Sein oder Nichtsein«, als »Pepe« in der »Sesamstraße« oder Narr in Shakespeares »Was ihr wollt« – Bach beherrschte den Spagat zwischen leichtem und ernstem Fach, zwischen Qualität und Quote in Perfektion. Und er wusste seine immense Popularität gesellschaftlich zu nutzen: als erklärter Tierfreund und Aktivist der Organisation PETA. Und vor allem als bekennender Schwuler im entschlossenen Kampf gegen Diskriminierung und Ressentiments. Legendär waren seine BenefizPartys zugunsten der Kölner Aids-Hilfe.
»Wer tot ist, der wird ein Stern«, sollte Dirk Bach in seiner letzten Theaterrolle sagen, in der Berliner Inszenierung des »Kleinen Königs Dezember«. Dazu kam es nicht mehr – am 1. Oktober 2012 verstarb er, plötzlich und für Freunde und Fans völlig unerwartet, an Herzversagen. Seine letzte Ruhe fand Bach auf dem Melatenfriedhof. Wer sich an den großartigen Menschen und Künstler erinnern möchte, nimmt demnach in sternklarer Nacht den Himmel über Köln ins Visier ... vielleicht blinzelt einer von oben zurück. 

 

Andreas Janczyk: Galaanzug von Dirk Bach, Köln, um 2001,
Samt, Jacke: RL: 90 cm, RB: 54 cm, Hose: L: 100 cm. Inv.-Nr. KSM 2013/7 a–c. Foto: rba_d033460

Goldene Kamera, Entwurf: Wolfram Beck, Berlin, 2000er Jahre. Aufschrift a. d. Platte: DIRK BACH/BERLIN, 6. FEBRUAR 2001
Aufschrift am Rand: DIE GOLDENE KAMERA DER FILM- UND FERNSEHPREIS VON HÖRZU, Sterlingssilber, 18 Karat vergoldet, H: 25 cm, Fuß Dm: 11,8 cm, Gewicht ca. 900 g, Inv.-Nr. KSM 2013/6. Foto: rba_d033469_03

Beides Nachlass Dirk Bach – 2013 Schenkung durch die Hinterbliebenen, gemeinsam mit weiteren Kostümen und Erinnerungsstücken

 


 


Autor: Rüdiger Müller

 

Newsletter


Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dem Erhalt des Newsletters zu.


Kölnisches Stadtmuseum

Zeughausstraße 1–3
50667 Köln
Kasse: 0221/221-22398
Nur montags: 0221/221-25789
Fax: 0221/221-24154
E-Mail: ksm@museenkoeln.de

 

Öffnungszeiten

Dienstag: 10–20 Uhr
An Feiertagen bis 17 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10–17 Uhr
KölnTag (1. Donnerstag im Monat): 10–22 Uhr
montags geschlossen

 

Eintrittspreise

Ständige Sammlung
€ 5,00, ermäßigt € 3,00

Sonderausstellungen
€ 5,00, ermäßigt € 3,00

Kombikarte 
€ 7,50, ermäßigt € 5,00