Des Architekten Leidenschaft

Der Architekt Karl Band erwarb sich nicht nur in seinem ureigenen beruflichen Metier in Köln und weit darüber hinaus einen guten Ruf und hohe Reputation: Auch als Sammler historischer Kölner Alltagsrelikte war er bekannt. Die Objekte drapierte er wirkungsvoll in seinem Wohnhaus und Atelier in der Kunibertstraße 3. 1971 gelangten aus der Sammlung Band zwanzig Objekte (Damenober- und -unterbekleidung aus der Zeit um 1815) als Schenkung ins Kölnische Stadtmuseum.

<strong>Mantelkleid,</strong> um 1815. <br />Foto: rba_c024119
Mantelkleid, um 1815.
Foto: rba_c024119

Karl Friedrich Band (1900–1995) ist als Regierungsbaumeister in die Kölner Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts eingegangen. Der in Köln geborene und auf dem dortigen Melatenfriedhof bestattete Architekt engagierte sich insbesondere für den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Stadt Köln. Zusammen mit Rudolf Schwarz, Dominikus Böhm, Josef Bernard und Hans Schilling gehörte Band zu einem Kreis von Architekten und Künstlern der sogenannten »Kölner Schule«. Gemeinsam mit den Mitgliedern des »Rings Kölner Architekten« setzte er sich ab 1950 für die Förderung des modernen Bauens ein, verbunden mit dem Streben nach neuen Formen und materialgerechter Fertigung. Karl Friedrich Band schuf Entwürfe zahlreicher Wohn- und Geschäftsbauten, darunter auch 1952 sein eigenes Wohnhaus und Atelier in der Kunibertstraße 3. Hinzu kamen über 100 Projekte für Kirchenneubauten, -sanierungen und -wiederaufbauten, wobei ihm der Wiederaufbau der Kölner Altstadtkirchen ein besonderes Anliegen war.

Neben seiner Tätigkeit als Architekt entwickelte Karl Friedrich Band schon sehr früh eine Leidenschaft als Sammler. Bereits Ende der 1920er Jahre baute er eine private Sammlung mit Objekten zur Kölner Stadtgeschichte auf. Teile der Sammlung verwahrte Band in seinem Atelier, das als eine moderne Variante der privaten Sammlungen von Alexander Schnütgen oder Ferdinand Franz Wallraf beschrieben werden kann. Beeindruckend war wohl vor allem das Zusammenspiel von Moderne und Tradition, sichtbar in dem augenfälligen Kontrast zwischen der nüchternen modernen Architektur des Band‘schen Ateliers und den dekorativ zwischen Bauplänen und -modellen arrangierten historischen Sammlerstücken.

Aus der ehemaligen Band‘schen Sammlung gelangten 1971 20 Objekte aus dem Bereich der Damen- ober- und -unterbekleidung aus dem Empire als Schenkung in das Kölnische Stadtmuseum. Hierzu zählt auch ein um 1815 entstandenes Mantelkleid, das in Schnitt und Ausstattung den Übergang vom Empire zum Biedermeier dokumentiert. Es ist aus einem bedruckten Baumwollstoff gearbeitet, der auf grünem Grund schmale mit Punkten besetzte Streifen in Rot, Hellblau und Weiß alternierend zu Reihen von kleinen Streublüten zeigt. Charakteristisch für die Entstehungszeit des Damenkleides sind die im Empire aufgekommene und bis in die 1820er Jahre verbreitete hoch sitzende Taille sowie der knöchellange Rocksaum, der den Blick auf zierliche Füße in den damals modischen flachen Schuhen ermöglichte. Hinzu kommen die überlangen, an den Schultern leicht gepufften, sich nach unten verschmälernden und sich zum Saum hin wiederum trompetenförmig erweiternden Ärmel, die bereits auf die von 1825 bis 1835 typischen stark gepufften sogenannten Keulenärmel der Biedermeiermode hinführen. Das kurze, an den Kanten mit Rüschen verzierte Oberteil wird durch ein eingenähtes Mieder aus Leinen geschnürt und durch ein Brustband geschlossen. Der ausgestellte Rockteil ist vorn an der Taille glatt angesetzt und im Rücken in Falten gelegt, wodurch die Rocksilhouette mehr Volumen erhält. Das schlichte, asymmetrisch geknöpfte Mantelkleid hat einen mit Rüschen besetzten und durch Stäbchen versteiften Aufstellkragen.

Mantelkleider wie das Exemplar des Stadtmuseums wurden als Negligé-Kleidung über einem Unterkleid getragen, das heißt, sie dienten gegenüber der offiziellen Tages- und Abendrobe als bequemes, weniger aufwendig gearbeitetes und trotzdem modisches sowie gesellschaftsfähiges Haus- oder Reisekleid. Wer das Kleid getragen hat, ob es aus dem Besitz einer Kölner Familie stammt und wie es in die Sammlung von Karl Friedrich Band gelangte, hat sich leider nicht überliefert.

 

Mantelkleid, wohl Deutschland, um 1815. Baumwolle, bedruckt, Oberteil: VL: 26,5 cm, HL: 25 cm; Rock: VL: 108 cm, HL: 112 cm; Gesamtlänge: 135 cm, Inv.-Nr. KSM 1971/265 = T 627. Schenkung des Kölner Regierungsbaumeisters Karl Friedrich Band aus dem Jahr 1971. Foto: rba_c024119


Autor: Dr. Petra Hesse

 

Newsletter

Möchten Sie unseren Newsletter abonnieren oder postalische Einladungen erhalten? 

zur Annmeldung

Kölnisches Stadtmuseum

Zeughausstraße 1–3
50667 Köln
Kasse: 0221/221-22398
Nur montags: 0221/221-25789
Fax: 0221/221-24154
E-Mail: ksm@museenkoeln.de

Öffnungszeiten

Dienstag: 10–20 Uhr
An Feiertagen bis 17 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10–17 Uhr
KölnTag (1. Donnerstag im Monat): 10–22 Uhr
montags geschlossen

 

Eintrittspreise

Ständige Sammlung
€ 5,00, ermäßigt € 3,00

Sonderausstellungen
€ 5,00, ermäßigt € 3,00

Kombikarte 
€ 7,50, ermäßigt € 5,00