Das Geheimnis der Heuschrecke

Die Heuschrecke, die aussieht, wie ein Demonstrationsobjekt für den Biologieunterricht, diente einem weitaus geheimnisvolleren Zweck. Sie kam 1940 als Geschenk eines unbekannten Bonner Stifters ins Museum. Sie stammt aus der in Bonn gegründeten Freimaurerloge »Robur« (lat. Kraft, Stärke).

<strong>Modell einer Heuschrecke, </strong>1. Drittel des 20. Jahrhunderts. Foto: rba_d033511
Modell einer Heuschrecke, 1. Drittel des 20. Jahrhunderts. Foto: rba_d033511

Dass Museen Geschenke erhalten, ist eine dankbar angenommene Tradition. Dass man weder weiß, wer der Schenkende ist, noch den Charakter des Geschenks (er)kennt, kommt eher selten vor.

1940 erhielt das Rheinische Museum von einem unbekannten Bonner Stifter einige Freimaurerzeichen – einen Himmelsglobus, einen Davidstern, eine Krone, ein Zepter und eben die hier vorgestellte Heuschrecke. Gegenstände, die bei den geheimen Initiations- und anderen Riten der Loge von symbolischer Bedeutung sind. Freimaurerlogen orientieren sich an mittelalterlichen Bauhütten und verwenden ihre Werkzeuge als Sinnbilder für ihre ethischen Überzeugungen und Ziele. So steht der Zirkel für geordnetes Planen, das Winkelmaß für die ordnende Gesinnung, die Wasserwaage für die Gleichheit der Menschen, und das Senkblei gilt als Zeichen des Maßhaltens.

In ihrer demokratischen, überkonfessionellen Ausrichtung und der Tatsache, dass sich hier Männer zu Geheimbünden zusammenschließen und mysteriösen Riten frönen, liegt die Ursache ihrer Verfolgung in Deutschland. Bereits nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurden sie (zusammen mit den Juden) der Weltverschwörung bezichtigt, ein Motiv, das auch Adolf Hitler propagierte, der 1935 alle Freimaurerlogen auflösen ließ. Damit wurde der Besitz von Freimaurerzeichen zur persönlichen Gefährdung.

Ungefährlich geblieben wäre wahrscheinlich weiterhin der Besitz einer farbig gefassten Heuschrecke aus Metall, die wir bisher eher dem Bereich Schule, Unterkategorie Anschauungsmodell Biologie, zugeordnet hätten.

Diskrete Nachfragen über einen Vermittler ergaben, dass die Gegenstände aus der 1907 in Bonn gegründeten Andreasloge »Robur« (lat. Kraft, Stärke) stammen. Auf unsere Bitte, uns zu erläutern, was die Heuschrecke versinnbildlicht, erhielten wir folgende Auskunft: »Die genannten Gegenstände werden im Ritual benutzt und haben dort Funktionen. Welche, werde ich nicht mitteilen, da dies der Verschwiegenheitspflicht unterliegt.« (Schade eigentlich. Aber womöglich liegt die Stärke ja im Schweigen ...)

Freundliche Vermittlung von Informationen durch Herrn Dr. Norbert Schloßmacher, Leiter des Stadtarchivs und der Stadthistorischen Bibliothek Bonn, dem an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

 

Modell einer Heuschrecke, 1. Drittel des 20. Jahrhunderts, Messingguss, farbig gefasst, L: 18 cm, B: 8 cm, H: 10 cm, Inv.-Nr. RM 1940/365, Schenkung aus Bonn. Foto: rba_d033511

 


Autor: Beatrix Alexander

 

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