»Eimol Prinz zo sin«

<strong>Karnevalsorden der Großen Kölner KG, 1909. <br /></strong>Foto: rba_d033565
Karnevalsorden der Großen Kölner KG, 1909.
Foto: rba_d033565

Der Chronist Anton Fuchs hielt, bezogen auf das Jahr 1827, für den Kölner Karneval unter anderem fest, dass der Präsident auf den Sitzungen Orden an Narren und Ehrendiplome an Fremde verlieh.

Diese frühe Quelle aus dem Jahr 1854 belegt, dass die Kölner Karnevalisten der ersten Stunde seit der Festordnung 1823 bestimmte Regularien, die bis heute Gültigkeit haben, bereits in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts festgelegt hatten. Für die Karnevalsorden hatten dabei die »Narren von Cleve« und die »Narren-Academie zu Dülken« Vorbildcharakter. Beide Gesellschaften waren bereits im 18. Jahrhundert aktiv. Überhaupt hatten es die Dülkener den Kölnern besonders angetan. Vor allem ihr »Steckenpferd«, »zu verschweigen, was man nicht weiß« fand Nachhaltigkeit.

Unser Orden zeigt den Prinzen Karneval des Jahres 1909 als Standfigur auf einer Weltkugel. Er war – und ist – die zentrale Figur des Kölner Karnevals, Herrscher über das närrische Volk, gemeinsam mit Bauer und Jungfrau.

1823 war man sich aber noch nicht einig über seine Bezeichnung. Das Programmheft des Jahres bietet als Anrede »König, Fürst oder Held« an. Die Figur des Helden ist in jenen Anfangsjahren nicht durchgängig und konstant zu beobachten. Innerhalb der Dramaturgie von Fest und Zug hat er 1823 und 1824 seinen Platz. 1825 hält er sich in Venedig auf, und ein Komitee – »lustiger Rath« genannt – übte die Regentschaft aus. Im Jahr 1826 findet man ihn »auf dem Mond«, und er erscheint nur bei dem großen Ball auf dem Gürzenich. Der »Bellengeck« versieht in diesem Jahr das Regentenamt. Ab 1827/28 ist es der »Hanswurst«, des Helden anderes Ich, der im Kölner Karneval zur Hauptfigur wird. Erst 1872 wurde »Prinz Carneval« erstmals als solcher benannt. Spätestens 1875 hatten die Kölner Karnevalisten sich offiziell auf den Titel »Prinz« geeinigt.

Der Orden ist auf das Jahr 1909 datiert. Der Kaiser hatte 50. Geburtstag, was in den Liederheften auch ausgiebig besungen wurde. »Glück, Segen, Heil – Kaiser, dir!« Die karnevalistisch-politische Situation aber war überaus brisant. Es wurde über Reformen diskutiert, auch bahnte sich eine Änderung im Festkomitee an. Während bis dato die Grosse Carnevals-Gesellschaft und die Grosse Kölner 

Karnevalsgesellschaft – von ihr stammt dieser Orden – gemeinsam das Festkomitee bildeten, traten ihm nun die Große Allgemeine, die Funken-Infanterie (Rote Funken), die Funken-Artillerie (Blaue Funken) und die Kölner Narrenzunft bei. Durch die Vergrößerung des Festkomitees war die Macht der beiden großen Gesellschaften gebrochen, durch die Finanzkraft der anderen jedoch die Möglichkeit zur Ausstattung des Rosenmontagszuges verbessert worden.

Treibende Kraft und Motor im Karneval und vor allem bei der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft war deren Präsident Josef Wingender (1908–1921). Die Gesellschaft war im Herbst 1882 unter August Wilcke im Kölner Gasthaus »Zum Anker« gegründet worden. 1909 trat die Gesellschaft unter Wingender überaus selbstbewusst auf. Das Sessionsbuch aus diesem Jahr nennt 1121 »frohe Kappenbrüder« als Mitglieder, und man bezeichnet sich als die Kölner Karnevalsgesellschaft mit der größten Anzahl von Mitgliedern. Schon selbstverständlich, dass Josef Wingender 1909 – der Rosenmontagszug hatte das Motto »Die verkehrte Welt« – den Vorsitz im Festkomitee hatte.

Ob die drei Hauptfiguren der damaligen Session, Prinz Josef Bönsch, Bauer Kurt Bruck und Jungfrau Paul Bruck, davon wirklich beeindruckt waren, wissen wir nicht. Vermutlich lebten sie ihren einmaligen Traum, um in die Kölner karnevalistische »Ewigkeit« einzugehen.

 

Karnevalsorden der Großen Kölner KG, 1909, Aufschrift: 1909 GROSSE KÖLNER KARNEVALSGESELLSCHAFT, Gelbguss, H: 9 cm, Inv.-Nr. HM 1914/225 d = KA 272. Schenkung der Großen Kölner, 1914. Foto: rba_d033565


Autor: Dr. Michael Euler-Schmidt

 

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